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Mai 2022

BILD DES MONATS

Foto: picture alliance/REUTERS/Erol Dogrudogan

Im Nordrhein-westfälischen Haltern ensteht zurzeit die größte schwimmende Solar-Anlage Deutschlands. Insgesamt soll auf dem Silbersee eine Fläche so groß wie zwei Fußballfelder mit rund 5800 schwimmenden Solarmodulen bedeckt werden — das entspricht etwa 2 Prozent der Fläche des Sees. Voraussichtlich Ende April wird die Anlage ans Netz gehen.
Der Solarpark soll künftig pro Jahr knapp drei Millionen Kilowattstunden Strom — unter anderem für die Quarzwerke Haltern — produzieren. Ein Viertel der erzeugten Energie soll ins allgemeine Stromnetz fließen.

AUFREGER DES MONATS

Foto: picture alliance/dpa | Silas Stein

Preise steigen im Rekordtempo

Häuser und Wohnungen in Deutschland verteuern sich zunehmend. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sind im vergangenen Jahr die Preise für Wohnimmobilien insgesamt um 11 Prozent gegenüber 2020 gestiegen. Ein Jahr zuvor hatten die Preise binnen Jahresfrist noch um 7,8 Prozent zugelegt. Niedrige Zinsen und knapper Wohnraum treiben den Immobilienmarkt weiter an. Der Trend zum Homeoffice während der Corona-Krise hat zudem die Nachfrage nach Wohnraum auf dem Land angekurbelt. Dort verteuerten sich Ein- und Zweifamilienhäuser allein im vierten Quartal 2021 um 15,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

ZAHL DES MONATS

383

Millionen Arbeitsstunden sind im Zuge der vierten und fünften Corona-Welle schätzungsweise ausgefallen. Das berichtete das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Mitte März in einer Studie. Die Arbeitszeit pro Erwerbstätigen habe von Oktober 2021 bis Februar 2022 um 8,4 Stunden abgenommen, was einem Rückgang des Arbeitsvolumens um 1,5 Prozent entspricht. Hauptursachen waren laut IAB ein erhöhter Krankenstand und Quarantänemaßnahmen. In der zweiten Welle seien dagegen vor allem geschlossene Schulen und Kitas für die
Arbeitsausfälle verantwortlich gewesen. Arbeitszeitausfälle aufgrund von Kurzarbeit, Kündigungen oder unterbliebenen Einstellungen seien in der Studie nicht inbegriffen.

ZITAT DES MONATS

Foto: picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm

»Wir wollen Soli­darität mit allen zeigen, die immer noch Ausgrenzung erleben müssen.«

Nancy Faeser, Bundesinnenministerin

... hat Mitte April die Genehmigung erteilt, dass die Regenbogenflagge künftig zu bestimmten Anlässen an Gebäuden von Ministerien und anderen Häusern von Bundesbehörden gehisst werden darf. Die Regenbogenflagge steht für Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben und Transgender. Das Verbot, diese an Bundesgebäuden zu hissen, nannte Faeser eine »völlig überkommene bisherige Praxis«. Sie erklärte: »Wir sind ein modernes und vielfältiges Land. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir das auch als staatliche Institutionen deutlicher zeigen.«

Anlass für das Setzen der Regenbogenflagge muss laut Ministerium ein konkreter Termin sein wie etwa der »Christopher Street Day« (CSD). An bestimmten Tagen darf die Flagge nicht gesetzt werden. Dazu gehören unter anderem der Tag der Arbeit am 1. Mai und der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Wechsel an der Spitze

Von links: Michael Vassiliadis, Kajsa Borgnäs und Andrea Arcais.

Foto: Elke Swolinski

Netzwerke auf- und ausbauen

Foto: Dirk Egelkamp

Modernisierungsschub nötig

Vor 15 Jahren

> Zukunftsbranche Biotechnologie

In der Mai-Ausgabe 2007 beschäftigte sich die kompakt mit der Zukunftsbranche Biotechnologie. Damals gingen Forscher der Fraunhofer Gesellschaft und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer gemeinsamen Studie davon aus, dass die Branche bis 2020 zum Jobmotor in Deutschland werde. Die Studie schloss dabei nicht nur die Bereiche Forschung und Entwicklung an Hochschulen und in Unternehmen in die Prognosen ein, sondern auch konkrete Anwendungsbereiche in der Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Chemie, Pharma und Umwelttechnik.

Heute ist Biotechnologie in aller Munde. Das wundert angesichts der aktuellen Erfolge in der Corona-Impfstoffentwicklung auch nicht. 2020 gab es in Deutschland laut Branchenverband BIO Deutschland 687 Unternehmen mit dem Hauptgeschäftszweck Biotechnologie – also Unternehmen, die Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf der Basis der modernen Biotechnologie betreiben. Diese erzielten 2020 einen Umsatz von knapp 6,5 Milliarden Euro. Maßgeblich dafür waren die Branchen-Stars BioNTech und CureVac. Die Branche zählte im Jahr 2020 37 415 Beschäftigte.

Video des Monats

Zwischenergebnis Chemie

5 MINUTEN ZUKUNFT

Illustration: Stefan Hoch

Archäoinformatik

Digitale Zukunft für den Blick in die Vergangenheit

Die Archäologie untersucht das materielle Erbe der Menschheit. Computertechnik gehört zum Rüstzeug. Als Rechenhilfe in den 1950er-Jahren, für Datenbanksysteme ab den 1960ern und später als Geoinformationssysteme sowie für die virtuelle Rekonstruktion von Gebäuden. All das dokumentiert unter anderem der Verein »Computer-Anwendungen und quantitative Methoden in der Archäologie (CAA)«. Seit den Nullerjahren unseres Jahrhunderts nutzt die Archäologie zudem die digitale Kraft ihrer jüngsten Teildisziplin: der Archäoinformatik. Sie bietet rechnergestützte Methoden, die das Entdecken von Zusammenhängen in gewaltigen archäologischen Datenmengen erleichtern.

Zum Beispiel das Projekt HistoGenes: Von 2020 bis 2026 arbeiten weltweit 17 Institutionen an der Aufarbeitung der Migrationsgeschichte in Ostmitteleuropa zur Zeit der Völkerwanderung und des Frühmittelalters. Die Forschenden untersuchen die DNA von mehr als 6000 Individuen aus Gräberfeldern. Das macht HistoGenes zum gegenwärtig größten Forschungsprojekt über alte DNA. Das bedeutet auch maximale Genauigkeit bei Erfassung und Systematisierung von Daten. Roboter entnehmen in Leipzig Knochenproben. Computer-Cluster aus zusammengeschalteten Servern werten Terabytes von Daten aus. Sie durchlaufen selbst entworfene Analyse- und Statistikverfahren. In New York entwickeln Populationsgenetiker*innen Computermethoden, um biologische Verwandtschaften zwischen Individuen herauszufiltern. Die Genom-Detektive verknüpfen ihre Daten via Projektdatenbank mit historischen, archäologischen und anthropologischen Informationen. Und lösen damit 1400 Jahre alte Rätsel wie das vom Ursprung der – später in Ungarn sehr bedeutenden – Awaren in Ost-Zentralasien.

Im Archäologischen Park Pompeji ermöglicht der Laufroboter SPOT (Boston Dynamics) sichere Inspektionen in einem Gelände voller fragiler Tunnel. Ein britisch-deutsches Forscherteam setzte 2020 ein künstliches neuronales Netz – das ist eine Form der künstlichen Intelligenz (KI) und ermöglicht maschinelles Lernen – für die Datierung steinzeitlicher Werkzeuge ein. Forschende aus Dresden und Berlin testeten 2013 selbst entwickelte Archaeocopter. Diese Minidrohnen dokumentierten präkolumbianische Ruinen in Mexiko. Die Daten flossen in exakte 3-D-Modelle. Solche Höhenmessungen sollen bald auch mit der Erkundung von tieferen Bodenschichten und der Nutzung von KI-Systemen einhergehen. Die Archäologie der Zukunft kommt dann in 4-D!

Marcel Schwarzenberger