VOR ORT

RWE Power

Verwandlung des Bodens

Der VielheckerHof in Jüchen am Tagebau Garzweiler ist ein landwirtschaftlicher Betrieb zur Rekultivierung. Acht Landwirte bearbeiten das Gebiet, damit es wieder nutzbar wird.

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Mit dem Grubber und anderen Maschinen bearbeitet das Team die Felder. Im Hintergrund ist die Abbruchkante des Tagebaus deutlich zu sehen.

Dünger ist für die Landwirte unverzichtbar.

Auf diesem Feld wächst Weizen, wie Ferdinand Schmitz erklärt.

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Fotos (4): Markus Feger

Walter Butterweck
Betriebsratsvorsitzender bei RWE Power

»Die Ausbildung ist für uns immer noch ein wichtiges Thema.«

In Jüchen bei Mönchengladbach ist es an diesem Tag windig und kühl auf den Feldern. Trotzdem scheint die Sonne und in etwa zwei Kilometern Entfernung geht es gewaltig abwärts – die Abbruchkante des Tagebaus Garzweiler führt rund 200 Meter in die Tiefe. Ein Landwirtschaftsteam, bestehend aus acht Mitarbeitern einschließlich zwei Auszubildenden, bewirtschaftet dort eine Fläche von 1500 Hektar. Sie rekultivieren die Fläche, die ehemals Tagebau war, nachdem dort Erde verkippt wurde. Ihre Arbeit ist zentraler Bestandteil der sogenannten Bergbaufolgelandschaft: Nach und nach verschwindet der Tagebau durch die verkippte Erde immer weiter und die Landwirte machen die Erde wieder nutzbar – als fruchtbaren und ertragreichen Boden für die umliegenden Landwirt*innen sowie als Naherholungsgebiet für die Anwohner*innen. Sieben bis zehn Jahre dauert dieser Prozess.

Der Vielheckerhof ist eine Außenstelle der RWE Power – einer Tochtergesellschaft der RWE – die heute für die konventionelle Erzeugung von Energie zuständig ist. Für den Betriebsratsvorsitzenden Walter Butterweck ist es da nicht ganz leicht, das Personal des gesamten Betriebs immer im Auge zu behalten, der Kontakt ist stellenweise eher lose – so vertritt er 870 Beschäftigte von Nordrhein-Westfalen bis ins bayerische Gundremmingen. »Ich versuche, die Außenstellen jedes Quartal zu besuchen«, sagt der 60-Jährige. Ein großes Thema sei das aber nicht, meint er: »Die Kollegen aus der Landwirtschaft kommen immer zu unseren Betriebsversammlungen.«

Ferdinand Schmitz (58) ist einer dieser Kollegen. Gerade bearbeitet er frisch verkippte Erde, um dann Luzerne-Saatgut einzusäen. »Die Luzerne sieht ähnlich wie Klee aus und sie ist wichtig, denn sie lockert mit ihren zwei Meter tiefen Wurzeln den Boden auf«, erklärt er. »Und sie sorgt dafür, dass sich Bodenlebewesen ansiedeln können«. Der Boden sei dadurch besser für andere Kulturen wie Getreide, Raps oder Zuckerrüben vorbereitet.

DAS UNTERNEHMEN

Das Team achtet ständig auf die Fruchtfolge, damit der Boden auch fruchtbar wird. Bei den umliegenden Landwirtschftsbetrieben sei die Akzeptanz mittlerweile hoch »und sie nehmen unsere ertragreichen Böden gerne«, berichtet Schmitz. Manche Besu-cher*innen und Landwirt-*innen könnten teilweise gar nicht glauben, dass diese Flächen einmal Teil eines Tagebaus gewesen seien. »Das ist schon eine super Landschaft geworden«, freut sich Schmitz. Er ist seit 35 Jahren als Landwirt bei RWE dabei und macht seine Arbeit bis heute gern; der an die Jahreszeiten angepasste Rhythmus gefällt ihm. »Und es ist schön, mitzubekommen, wie sich die Landschaft langsam wieder wandelt.«

Sein Kollege Maximilian Dahlem (19) steht auf dem noch grünen Weizenfeld neben dem Traktor, der Dünger beinhaltet. Von 2017 bis 2020 hat er hier seine Ausbildung als Landwirt gemacht und befindet sich jetzt im Gesellenjahr. Teil seiner Ausbildung war die Ein- und Aussaat, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern, Pflege und Bedienung der Maschinen so- wie Bodenbearbeitung. Dazu kommt außerdem die Viehhaltung, die er in einem anderen Betrieb kennengelernt hat – auf dem Vielheckerhof werden keine Tiere gehalten. Dahlem ist begeisterter Landwirt und liebt die Natur: »Ich finde es schön, wenn im Frühjahr gesät und im Sommer wieder geerntet wird.« Dann nach sieben Jahren den Erfolg zu sehen und sagen zu können, »da haben wir gute Arbeit geleistet«, sei toll. Bei RWE Power werden im rheinischen Revier bis 2025 noch 170 Menschen ausgebildet, denn »die Ausbildung ist für uns immer noch ein wichtiges Thema«, betont Butterweck.

Der Kollege Norbert Jüttemeier (60) fährt unterdessen mit dem Grubber über ein frisch wiederhergestelltes Feld. Er ist zuständig für Ein- und Aussaat, Bodenbearbeitung und Ernte, »aber grundsätzlich machen hier alle alles«, erklärt er. Gearbeitet wird von 7 bis 15.30 Uhr, die Arbeit richtet sich in der Landwirtschaft natürlich nach den Jahreszeiten: »Im Frühjahr säen wir ein und düngen«, sagt Jüttemeier. Von Juli bis September wird geerntet. Anschließend wird der Boden wieder auf die Aussaat vorbereitet und schließlich die Winterfrucht gesät. Von Oktober bis Februar gibt es dann entsprechend weniger zu tun. Da hat der Boden dann mal Pause.

Mit der Luzerne und zusätzlichen Blühstreifen bemüht sich das Team außerdem um den Artenreichtum auf den Feldern. Durch die engagierte Arbeit der Landwirte haben sich inzwischen auch gefährdete Vogelarten wie die Grauammer auf den rekultivierten Flächen angesiedelt.

Rebecca Hummler