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RHEINLAND-PFALZ/SAARLAND

VOR ORT: Rheinland-Pfalz / Saarland

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NAMEN & NACHRICHTEN

Feuerfest: Tarifabschluss

Fotos (2): RHI Magnesita

Neuwied | Für die knapp 4000 Beschäftigten in der Feuerfest- und Säureschutzindustrie gilt seit vergangenem Monat ein neuer Tarifvertrag. Demnach erhielten die Arbeitneh-mer*innen bereits mit der Entgeltabrechnung für Mai eine Einmalzahlung: Die 475 Euro (Auszubildende: 238 Euro) entsprechen einer steuer- und sozialversicherungsfreien »Corona-Beihilfe«. Zum 1. Juni 2022 erhöhen sich dann die Entgelte und Ausbildungsvergütungen tabellenwirksam um 1,8 Prozent. »Das Ergebnis ist wie immer ein Kompromiss: Die einen bedanken sich dafür, was wir in dieser schwierigen Pandemie-Zeit erreichten, anderen ist es zu wenig«, berichtet Christoph Spohr, Betriebsratsvorsitzender des Gemeinschaftsbetriebs RHI Magnesita Urmitz/Kruft (Foto oben). »Wobei die, die sich beschweren, meistens nicht Mitglied der Gewerkschaft sind – wohl aber vom Abschluss profitieren.«

Für Spohr, selbst Teil der Tarifkommission, ist das nach der zweiten Verhandlungsrunde erzielte, einstimmige Ergebnis akzeptabel. »Wir haben zurzeit zwar gut gefüllte Auftragsbücher. Doch wenn mit dem Jahreswechsel die
Lager voll sein werden, weiß keiner so genau, wie es mit der Branche weitergehen wird«, schränkt er ein. Prognosen
seien derzeit schlichtweg unmöglich.

Fotos (2): RHI Magnesita

Gleichwohl gibt es Lichtblicke, den Wirtschaftszweig langfristig in Deutschland zu halten. So teilte RHI
Magnesita mit, in Urmitz in den kommenden zwei Jahren 23 Millionen Euro in die Digitalisierung und Modernisierung zu investieren. Die Presse-kapazitäten sollen steigen und ein neuer Tunnelofen entstehen, wie er etwa jüngst am RHI-Standort Radenthein/Österreich angefeuert wurde (Foto unten). Axel Stefan Sonntag

Der 1. Mai im Land

Mainz | Trotz Pandemie viele Aktionen

Fotos (3): DGB

LUDWIGSHAFEN | Von Frankenthal erreichte ein Autokorso die Metropole. Hauptredner war hier Landes-bezirksleiter Roland Strasser.

Fotos (3): DGB

MAINZ | Auch die Entwicklung der Wohnungsmieten war Thema bei der Zusammenkunft in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Fotos (3): DGB

WORMS | Mit Abstand und den Motto-Schals »Solidarität ist Zukunft« setzten die Gewerkschafter*innen ein Zeichen.

Foto: Kai Partenheimer

ALZEY | Das von einem Studierenden der Universität der Künste (Berlin) entworfene Plakat zierte groß-flächig die Veranstaltung.

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Die Erwartungen an den Kongress

Mainz | Umfrage unter vier exemplarisch ausgewählten Delegierten aus dem Landesbezirk

Foto: Stefan Koch

Der Countdown läuft: Vom 24. bis 28. Oktober tagt der 7. ordentliche Gewerkschaftskongress der IG BCE in Hannover. 30 Anträge haben engagierte Gewerkschafter*innen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland eingebracht — sie bestimmen die zukünftige Ausrichtung der Organisation mit.

48 Delegierte repräsentieren den Landesbezirk (Foto: Delegation des Landesbezirks beim Kongress 2017). Die jüngste Teilnehmerin ist 20 Jahre alt, der älteste 77. Fünf IG-BCE-Mitglieder sind sogar zum ersten Mal überhaupt dabei. Vier von ihnen haben wir exemplarisch befragt, welche Erwartungen sie an die Veranstaltung stellen.

Manfred Gerschheimer,
Betriebsratsvorsitzender Michelin (Homburg)

Foto: Privat

»Einsatz für energieintensive Betriebe beschließen«

»Die Energiepreise in Deutschland sind doppelt so hoch wie in meiner Heimat Frankreich. Im Wirtschaftsausschuss führen wir solche Vergleiche bei fast jeder Standortdiskussion. Ja, ich bin für regenerative Energien. Doch wenn die Industrie gezielt in Länder mit Billig-Energie abwandert, hilft das weder dem globalen Klima noch unseren Arbeitsplätzen. Insofern erwarte ich mir vom Kongress, dass wir diese Debatte auch weiter-
hin mit der Politik führen und entsprechende Anträge verabschieden. Energieintensive Betriebe brauchen weiterhin die EEG-Befreiung.«

»Entscheidung, die duale Ausbildung zu stärken«

»Nach Teilnahme an der Bezirksdelegierten- und der Bundesjugendkonferenz freue ich mich jetzt, den Kongress besuchen zu können. Ich bin gespannt, was dort mit unseren Jugend-anträgen passieren wird. Ich werde mich auf jeden Fall zu Wort melden. Klar ist: Wir sind als Landesbezirk stark vertreten und wollen insbesondere mit unserem Antrag zum Thema ›Entwicklung der Ausbildung‹ die duale Ausbildung stärken. Zudem müssen wir auf dem Kongress eine Antwort darauf finden, was wir tun können, damit das Ausbildungsplatzangebot wieder wächst.«

Katrin Edinger,
Jugend- und Auszubildendenvertreterin BASF SE

Foto: Yunus Emre Ates

Andrea Opitz,
stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Finzelberg

Foto: Andrea Paulke

»Live erleben, wer auf Angela Merkel folgt«

»Es ist ein tolles Gefühl, den basisdemokratischen Aufbau der IG BCE nun selbst als Kongressdelegierte komplett durchlaufen zu können. Gespannt bin ich insbesondere auf die Statements der Politiker*innen. Vielleicht erleben wir sogar den/die Nachfolger*in von Angela Merkel live. Fragen haben wir als Gewerkschaft jedenfalls genug zu stellen, denn Corona-Krise und Klimawandel-Debatte haben Transformation und Industrie 4.0 zuletzt stark in den Hintergrund rücken lassen. Umso dringender muss die nächste Regierung nun darauf Antworten geben.«

»Wir müssen vorurteilsfrei mit allen diskutieren«

»Ich erwarte, dass wir uns auf dem Kongress zwei wichtige Aufgaben geben: Zum einen, dass wir als IG BCE vorurteilsfrei mit Gruppierungen, Parteien und Vereinigungen zusammenarbeiten, die nicht zu unseren natürlichen Verbündeten gehören. Zum anderen, dass wir das Thema Leiharbeit und Werkverträge noch stärker bekämpfen. Prekäre Beschäftigung ist unfassbar ungerecht. Für mich ist die gleiche Bezahlung von Anfang an unabdingbar. Das, was bislang politisch geregelt ist, ist zu wenig. Wir müssen als Gewerkschaft hier deutlich lauter werden.«

Christian Viering,
Betriebsratsmitglied Boehringer Ingelheim

Foto: Privat