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NORD

VOR ORT: Nord

NAMEN & NACHRICHTEN

Verzögerungstaktik fortgesetzt

Hamburg | Der Diagnostikhersteller IBL International hat die Forderung der Tarifkommission nach einem Zwischentarifvertrag bis zur Aufnahme der offiziellen Verhandlungen abgelehnt. Als »Fortsetzung der Verzögerungstaktik, die die Situation zur Eskalation treibt«, wertet Bezirkssekretärin Ute Sierk den bisher letzten Schritt in den seit vier Jahren ergebnislosen Verhandlungen. Der Arbeitgeber zeige kein Interesse. Währenddessen haben die Beschäftigten in einer politischen Mittagspause ihren Forderungen nach einem transparenten Entgeltsystem und fairen Gehältern Nachdruck verliehen. Nun prüft die IG BCE die Möglichkeit eines Warnstreiks.

Foto: IG BCE Nord

Tarifvereinbarung blockiert

erzberg | Auch die dritte Verhandlungsrunde für einen neuen Haustarifvertrag beim Hersteller von Schichtpressstoffplatten Homapal wurde Mitte Juni ergebnislos abgebrochen. Die IG BCE fordert für die rund 100 Beschäftigten eine Erhöhung der Entgelte um 4,8 Prozent, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2025 und tarifliche Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung. »Wir haben ein neues Angebot unterbreitet«, so Bezirkssekretär Dr. Mathias Heiden. Die Gegenseite zeige sich jedoch an einem fairen Kompromiss nicht interessiert. »Wir behalten uns nun eine entsprechende Reaktion vor.« Laut Heiden investiere das wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen in hochmoderne Produktionsanlagen, kündige jedoch zugleich einen massiven Personalabbau und betriebsbedingte Kündigungen an.

Lebendige Vielfalt

Foto: IG BCE Nord

Richtigstellung

Mehrarbeit abgelehnt

BOCKENEM | Kein Sanierungstarifvertrag für Meteor

Investitionen planen und Personalkosten einsparen: Der Dichtungshersteller Meteor versucht nach Ansicht von Peter Winkelmann, Bezirksleiter Südniedersachsen, die Sanierungskosten auf seine rund 1000 Beschäftigten abzuwälzen. Nachdem die Geschäftsführung die übertariflichen Zulagen gestrichen hat, beabsichtigt sie nun, einen Sanierungstarifvertrag abzuschließen. Der beinhalte laut Winkelmann die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Anhebung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden – ohne finanziellen Ausgleich.

Darüber werde die IG BCE jedoch nicht verhandeln, stellt der Bezirksleiter klar. »Einen solchen Ausstieg aus dem Flächentarif lehnen wir kategorisch ab.« Möglich wären Öffnungsklauseln im geltenden Tarifvertrag, »wenn im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung garantiert wird und unsere Mitglieder einverstanden sind.«

Damit könne die wöchentliche Arbeitszeit um zweieinhalb Stunden angehoben werden und Überstunden würden vergütet. Meteor-Chef Robert Roiger beschreibt laut Hildesheimer Allgemeine Zeitung die derzeitige Auftragslage und Auslastung als gut und kündigt weitreichende Investitionen am Standort an.

Gegen Antisemitismus und Rassismus

Ralf Becker verliest die Resolution.

Foto: Cordula Kropke

Hannover | Dass der Landesbezirk und seine Delegierten auch Politik machen, stellten sie mit einer Resolution gegen Rassismus und Antisemitismus unter Beweis. »Antisemitismus ist eine Gefahr, die tief in unserer Gesellschaft sitzt. Der aktuelle Konflikt in Nahost hat nur dazu beigetragen, dass Antisemitismus wieder offenkundiger gelebt wird. Unser Mitgefühl gilt allen zivilen Opfern, die der Nahost- Konflikt erneut gefordert hat«, heißt es in der Verlautbarung, die Ralf Becker auf der Delegiertenkonferenz des Landesbezirks vorstellte. »Faschismus darf nie wieder die Oberhand in unserer Gesellschaft übernehmen.«

Wettbewerb um die besten Handlungskonzepte

Hannover | Landesbezirksdelegiertenkonferenz entscheidet über Neuausrichtung

Fotos (7): Cordula Kropke

Fotos (7): Cordula Kropke

Fotos (7): Cordula Kropke

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Virtuelle Delegiertenkonferenz vor Ort: Michael Vassiliadis, Konferenzleitung, Jeannette Härtling und Stefan Weil auf dem Monitor.

Kritik am Überbietungswettbewerb der politischen Parteien bei den Klimazielen übte Landesbezirksleiter Ralf Becker auf der Online-Delegiertenkonferenz des Landesbezirks am 29. Mai in Hannover. »Wir brauchen einen Wettbewerb um die besten Handlungskonzepte, damit wir die Energiewende erfolgreich bestreiten können«, forderte Becker vor 82 Delegierten und rund 90 Gästen an den Bildschirmen und bekundete den Willen der IG BCE, den anstehenden Wandel in den betroffenen Branchen sozialver­träglich mitzugestalten. Als Voraussetzung für die Umstellung der industriellen Prozesse auf klimaneutrale Produktionen müssten erneuerbare Energien in aus-reichender Menge verfügbar sein, führte der niedersäch-sische Ministerpräsident Stephan Weil in seinem digitalen Grußwort aus. Auch dafür fehle es noch an Konzepten.

In der ersten Delegiertenkonferenz des Landesbezirks nach Schließung des letzten Steinkohlebergwerks in Ibbenbüren wählten die Delegierten neue Gremien, besetzten Mandate und stimmten über 39 Anträge ab, die Arbeitsschwerpunkte für die Landes- und Bundesebene formulieren. Endgültig beschließen wird darüber der Gewerkschaftskongress Ende Oktober.

Im Geschäftsbericht beschrieb Ralf Becker einen erheblichen Rückgang der Mitgliederzahlen und machte dafür Unternehmensschließungen, das Ende des Steinkohlebergbaus und die Corona-Krise verantwortlich. »Aufgrund der Homeoffice-Pflicht konnten die Betriebs­rät*innen nur sehr eingeschränkt neue Kolleg*innen werben. Auch die Kontaktaufnahme durch unsere Sekre­tär*innen war erschwert.« Für die Zeit nach der Krise zeigte sich Becker optimistisch: »Trotz aller Schwierigkeiten in den Branchen werden wir weitere Verluste vermeiden und den Abwärtstrend stoppen.« Er kündigte eine Werbeoffensive für die Delegierten an, in 90 Tagen 90 neue Mitglieder zu werben.

Dass die Corona-Pandemie wie ein Brennglas bereits bestehende Probleme sichtbar macht, führte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis am Beispiel von Demografie und Fachkräftegewinnung aus. »Viele Unternehmen haben in wirtschaftlich guten Zeiten versäumt, für die Zukunft vorzubauen«, so Vassi-liadis. Wer in der Krise seine Ausbildungsplätze nicht besetzt, werde beim Wiederanziehen der Wirtschaft den Fachkräftemangel deutlicher als zuvor spüren. Obwohl er den persönlichen Kontakt vermisse, zog Ralf Becker am Ende der Konferenz ein positives Resümee: »Die Delegierten haben sich trotz der digitalen Veranstaltungsform aktiv beteiligt. Das ist eine wichtige Voraussetzung für unsere demokratischen Prozesse.«

Foto: Staatskanzlei RLP, Elisa Biscotti

Deniz-Feliz Acar, Hamburg

»Wir hatten sehr gute Anträge. Ich freue mich, dass sie so angenommen wurden, wie von der Antragskommission empfohlen.«

Reinhold Grothus, Ibbenbüren

»Michael Vassiliadis Rede war wie ein Kompass. Er hat konkret aufgezeigt, wie wir als IG BCE die Transformation in unseren Branchen mitgestalten wollen.«

Foto: Staatskanzlei RLP, Elisa Biscotti

Foto: Staatskanzlei RLP, Elisa Biscotti

Thomas Schwede, Schleswig-Holstein

»Die Antragskommission hat digital über die Anträge beraten. Das kann man beibehalten: Es spart Zeit und ist ein Beitrag zum Klimaschutz.«

Sandra Meyer, Südniedersachsen

»Es ist ein tolles Gefühl, dass wir heute die Ziele für die nächsten vier Jahre abgesteckt haben. Die Jugend hat gezeigt, dass sie sich einbringen möchte.«

Foto: Staatskanzlei RLP, Elisa Biscotti