VOR ORT

BADEN-WÜRTTEMBERG

VOR ORT: Baden-Württemberg

Bodensee-Feeling statt Videocam zu Hause

MARKELFINGEN | Landesbezirksjugend bei der Bundesjugendkonferenz:
Präsenzveranstaltung kam gut an

Mit Abstand — und täglichen Tests: Als einziger Landesbezirk bot Baden-Württemberg die Veranstaltung in Präsenz an.

Fotos (3): Markus Deissler

Spaß inklusive: Das Wetter spielte am direkt am Bodensee gelegenen Camp mit.

Foto: Maik Khodaei

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Drei Tage lang diskutierten bundesweit 150 junge Ge­werkschafter*innen die Anträge der 7. Ordentlichen Bundesjugendkonferenz – meist virtuell. Nicht so im Landes-bezirk Baden-Württemberg: Der Südwesten ließ es sich nicht nehmen, als einziger zur Veranstaltung vor Ort einzu-laden – in das DGB-Jugendcamp in Markelfingen, direkt am Bodensee gelegen. »Da geht es doch auch um ein Gemeinschaftsgefühl, welches wir mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept absolut sicherstellen konnten«, blickt Landesbezirksjugendsekretär Yannick Schulze auf eine gelungene Veranstaltung Mitte Mai zurück. Tatsächlich mussten sich vor Ort alle Delegierten, die beiden Mitglieder im ehrenamtlichen Hauptvorstand, Frank Gottselig und Klaus Kreidler, sowie die Hauptamtlichen täglich auf das Virus testen lassen. Zudem durfte jede*r nur ein Zelt belegen. »Die Abstandsgebote konnten wir in einem Camp, welches normalerweise auf 240 Menschen ausgelegt ist, problemlos einhalten«, so Schulze.

»Es war super, dass wir damit mal von all den Videokonferenzen wegkamen«, lobt Maik Pieritz, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) bei Fuchs Schmierstoffe. »Es war ein tolles Miteinander und trotz aller Einschränkungen ein gemeinschaftliches Feeling.« Den 23-Jährigen wählten die Delegierten in den Bundesjugendausschuss (Buja) der IG BCE – gemeinsam mit Tina Krabkrantham. Mit ihr wird kompakt ein Interview in der Septemberausgabe veröffentlichen. »Im Buja möchte ich Baden-Württemberg mit einer starken Stimme vertreten und mich natürlich dafür einsetzen, die sachgrundlose Befristung nach der Übernahme beziehungsweise eine erneute Probezeit abzuschaffen«, verspricht Pieritz.

Auch Verena Stritt, JAV-Vorsitzende bei Freudenberg (Oberwihl), zeigt sich mit der inhaltlichen Diskussion der Veranstaltung sehr zufrieden. »Wir haben uns für die dual Studierenden, die traditionell baden-württembergische Betriebe ausbilden, auf Bundesebene stark gemacht«, sagt die 23-Jährige. Dabei gehe es unter anderem darum, dass sich die IG BCE künftig dafür einsetzen solle, dual Studierende und Auszubildende gleich zu behandeln. »Das gilt insbesondere für die Politik, die das Berufsbildungs- und das Betriebsverfassungsgesetz dahingehend anpassen muss«, so die junge Informatikkauffrau. Zudem solle sich die Gewerkschaft beim Gesetzgeber dafür stark machen, dass die JAV bei der Einstellung neuer Auszubildenden ein Mitspracherecht bekommen soll.

Axel Stefan Sonntag


Die Landesjugend vertrat ihre Themen engagiert (Foto: Antragsberatung mit Nils Diesel).

Fotos (3): Markus Deissler

Voll konzentriert: Sebastian Frank verfasst seine Rede für die Antragsdebatte.

Foto: Yannick Schulze

Bundesweit lief die Veranstaltung virtuell. Dem Erfolg der Konferenz tat dies keinen Abbruch.

Fotos (3): Markus Deissler

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»Pharma & Arznei« gezielt angehen

STUTTGART| Neue Kompakt-Serie nennt die spartenspezifischen Herausforderungen/Beschäftigtenbefragung geplant

Foto: Markus Feger



»Es gibt nicht die eine Pharma-Branche.«

Catharina Clay (Foto)
Landesbezirksleiterin

Baden-Württemberg ist der bundesweit größte Pharma-Standort. Von den rund 81 000 Beschäftigten, für die der Landesbezirk in der gesamten Chemieindustrie zuständig ist, arbeiten inzwischen 52 Prozent bei »Pharma & Arznei«. »2010 lag dieser Anteil noch bei 44 Prozent. Das macht klar: Der Sektor ist auf Wachstumskurs«, betont Landesbezirksleiterin Catharina Clay. Die Betriebe teilen sich auf in forschende Pharma-Unternehmen, Hersteller von Medizintechnik, Generika, Homöopathie und Naturarznei sowie Lohnfertiger und Labordienstleister. Die IG BCE wird ihre politische Arbeit und ihre konkreten Aktivitäten künftig verstärkt auf die Branche lenken – entsprechend eines jüngst von der Landesbezirksdelegiertenkonferenz verabschiedeten Antrags. »Wir wollen dichter an den Bedürfnissen der Arbeit­nehmer*innen sein, die in diesen hochinnovativen und krisenfesten Betrieben tätig sind«, so Clay. Das gelte für alle Angestellten – ob Ungelernte beziehungsweise Angelernte, Fachkräfte oder Akade­miker*innen.

Grund genug für kompakt, in den kommenden sieben Ausgaben eine Serie »Pharma & Arznei« zu veröffentlichen. »Die Bandbreite dieses Wirtschaftszweigs ist immens. Die Produkte und Dienstleistungen nehmen fast alle Menschen in Anspruch«, verdeutlicht Clay. Und zwar durchaus abseits von Arzt und Rezept. Beispielsweise stieg der Jahresumsatz von freiverkäuflichen Arzneimitteln (»OTC-Markt«) von 8,1 Milli-arden (2015) auf 9,4 Milliarden Euro (2019). Rund jede achte in der Apotheke abgegebene Packung ist inzwischen ein pflanzliches (Phytopharmaka) oder ganzheitliches Arzneimittel (Homöopathie). Bei letzterer Therapieform gaben in einer repräsentativen Forsa-Umfrage 55 Prozent der Befragten an, sie zu nutzen. Viele Verbraucher*innen wollen also nicht mehr nur alleine auf die Schulmedizin vertrauen, nutzen sogar womöglich Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Wirkstoffe, um Krankheiten vorzubeugen. Doch bis zu welchem Punkt kann dies funktionieren – was ist bei Krankheiten wie Krebs oder Aids?

Große Pharmakonzerne setzen deshalb vor allem aufForschung und Entwicklung (F&E). 2019 investierten die im Verband forschender Arzneimittelhersteller organisierten Unternehmen rund acht Milliarden Euro in F&E – eine Rekordsumme. Im Trend liegt die personalisierte Medizin. Statt dass – wie bislang üblich – Arzt und Patient verschiedene Arzneimittel und -kombinationen »probieren«, sollen maßgeschneiderte Therapien helfen. Sie berücksichtigen genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten. Gerade für Krebspatienten könnte dies der Durchbruch sein. Könnte – denn die Barmer verweist bei diesen neuen Onkologika auf Kos-ten von 100 000 Euro pro Arzneimittel, Patient und Jahr. Aber: Darf diese Frage ineinem solidarischen Gesundheitssystem eine Rolle spielen?

»Wir möchten die Branche mitsamt den Menschen, die sie ausmachen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten«, sagt Catharina Clay. »Wie verschieden ihre Arbeitswirklichkeiten und Bedürfnisse sind, wollen wir kennenlernen.« Als ersten Schritt plant der Landesbezirk für 2022 eine groß angelegte Beschäftigtenbefragung. Über die Ergebnisse wollen wir dann mit den Menschen reden und für ihre Herausforderungen gemeinsam Ideen entwickeln«, verspricht Clay.

Axel Stefan Sonntag

Fotos (2): Pixabay

Fotos (2): Pixabay

Foto: Verband Forschender Arzneimittelhersteller

Foto: Boehringer Ingelheim

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Ob Labordienstleister, Phytopharmaka (Foto: Baldrian), Arzneimittelhersteller oder Forschung: Die Diversität der Branche ist enorm (von links nach rechts).

Serie »Pharma & Arznei«

7+8/2021: Auftaktartikel

9/2021:

Phytopharmaka

10/2021:

Generika

11/2021:

Forschende Arzneimittelhersteller

12/2021:

Homöopathie

1/2022:

Lohnfertiger

2/2022:

Medizintechnik

3/2022:

Labordienstleister